Immigration, Integration, Inklusion

projektTTheater Zittau in Kooperation mit dem Infoladen Zittau

Stiftung :do

Sachbericht für das Projekt „Förderung Rechte von Flüchtlingen und Migrant*innen im Dreiländereck / Immigration, Integration, Inklusion

Einleitung:
Als wir das Projekt mit Asylsuchenden und Flüchtlingen planten, wussten wir nicht, dass unsere Bedenken, die wir bereits in der Antragstellung formulierten
„Da es sein kann, dass die Erzählung des Erlebten, gerade im Hinblick auf gestellte Asylanträge, „bedenklich“ sein könnte, steht während der Projektzeit ein Anwalt beratend zu Seite. Letztendlich soll ein Asylbegehren nicht durch „unbedachte“ Äußerungen und Darstellungen (im Hinblick auf die unsägliche Dublin III Verordnung) negativ beeinflusst werden.“
bei weitem übertroffen wurden.
So wurden während der Projektphase mehrere Asylsuchende, teilweise unter Zwang, abgeschoben. Dies führte dazu, dass neue Mitstreiter gewonnen werden mussten, die Ängste vor weiteren Abschiebungen aufgrund der Teilnahme an dem Projekt mussten aufgenommen und besprochen werden. Auch gingen teile Zwischenergebnisse des Projektes durch die Abschiebungspolitik des Freistaates Sachsen verloren und mussten neu erarbeitet werden.
Aufgrund der sehr persönlichen Bindung, die sich während der Projektphase zwischen allen Teilnehmenden aufbaute, versuchten wir auch nach den vollzogenen Abschiebungen Kontakt zu halten und das größte Leid zu lindern.
Die Gesamtumstände führten zu emotionalen Belastungen, die sehr viel Kraft zehrten.
Wie die sächsische Presse, die führende Tageszeitung Sächsische Zeitung, dazu schreibt:
Dienstag, 27.10.2015
Sachsen kündigt mehr Abschiebungen an
Bis Ende Oktober will der Freistaat die Gesamtzahl aller Abschiebungen von 2014 übertroffen haben. Gleichzeitig warnte Minister Ulbig „vor zu viel Hoffnung in dem Bereich“.
Im bundesweiten Vergleich steht Sachsen bei Abschiebungen in der Statistik im hinteren Mittelfeld.
© dpa
Im bundesweiten Vergleich steht Sachsen bei Abschiebungen in der Statistik im hinteren Mittelfeld.
Dresden. Sachsen will dieses Jahr erstmals wieder mehr abgelehnte Asylbewerber in ihre Heimatländer abschieben. Das kündigte Innenminister Markus Ulbig (CDU) an. „Es wird weiter – und in Zukunft noch verstärkt – Abschiebungen mit Zwangsmaßnahmen geben“, sagte er gestern.
Wurden bis Ende September bereits 953 Personen aus dem Freistaat abgeschoben, will man nun bis Ende Oktober die Gesamtzahl aller Abschiebungen vom vergangenen Jahr übertroffen haben. 2014 kam es in Sachsen zu 1 037 Abschiebungen.
Laut Ulbig wird künftig die für die Rückführungen zuständige Abteilung personell aufgestockt. Er appellierte zudem an die Bundesregierung, die oft per Flugzeug durchgeführten Maßnahmen mithilfe der Bundeswehr stärker zu unterstützen.
Gleichzeitig warnte Ulbig aber auch „vor zu viel Hoffnung in dem Bereich“. So gebe es weiter Abschiebehindernisse wie das Fehlen von Personaldokumenten, gegen die wirksamer vorgegangen werden müsse. Zudem gelten für etwa 4 700 der zurzeit 6 300 ausreisepflichtigen Ausländer Duldungsgründe wie Krankheit oder eine unsichere Lage in ihren Herkunftsländern.
Tatsächlich liegt Sachsen aktuell noch immer deutlich unter seinem bisherigen Spitzenwert, bei dem im Jahr 2013 insgesamt 1 230 Abschiebungen erfolgten. Im bundesweiten Vergleich rutschte man seitdem in der Statistik vom Spitzenplatz ins hintere Mittelfeld. Parallel sollen deshalb nun die Rückkehrberatungen verstärkt und finanzielle Rückkehrhilfen angeboten werden, um Betroffene zur freiwilligen Ausreise zu bewegen. (SZ/gs)
Dies alles führte unter anderem dazu, dass das Projekt nicht innerhalb von 10 Monaten, die geplant waren, abgeschlossen werden konnte.
Konnte das Projekt so durchgeführt werden, wie es geplant war?
Leider nicht, aufgrund der eingangs erwähnten, für uns nicht vorhersehbaren Schwierigkeiten, konnte das Projekt nicht wie geplant durchgeführt werden. Neue Mitstreiter mussten gefunden werden, Ängste ernst genommen und besprochen werden, Zwischenergebnisse, die durch Abschiebungen verloren gingen, neu erarbeitet werden und auch die emotionale Belastungen aller aufgefangen werden.
Was lief gut, was waren Meilensteine oder auch Hindernisse bei der Durchführung?
Die Vorstellung des Projektes bei Asylsuchenden und Flüchtlingen konnte wie geplant umgesetzt werden. Die Resonanz war durchweg positiv, Kontakte wurden auch durch das Willkommensnetzwerk Zittau geknüpft.
Beim Sammeln der Erlebnisse spürten wir deutlich die Furcht und Angst, dass aufgrund der Schilderungen persönliche Nachteile im Asylverfahren erfahren werden. Dies Angst konnten wir mit einem beratenden Anwalt auffangen, auch achteten wir stets darauf, dass keine Klarnamen in Veröffentlichungen genannt werden. Wichtig war uns dabei, dass die Erzählung des Erlebten, gerade im Hinblick auf gestellte Asylanträge, sich nicht negativ auswirken. Letztendlich sollte ein Asylbegehren nicht durch „unbedachte“ Äußerungen und Darstellungen (im Hinblick auf die unsägliche Dublin III Verordnung) negativ beeinflusst werden.
Aus vorgenannten Gründen dauerte bereits das Sammeln der Erlebnisse länger als vorgesehen.
Beim Erstellen des Theaterstückes und Proben der Szenen wurden wir von der Abschiebpolitik besonders hart getroffen. Mehrere Darsteller*innen wurde abgeschoben, die Idee des Theaterstückes musste mehrfach um- bzw. neugeplant werden. Aus diesem Grund verzichteten die Projektteilnehmer*innen darauf, ein klassisches Theaterstück mit Darstellern zu inszenieren.
Welche Ergebnisse gab es und sind Sie damit zufrieden?
Letztendlich wurde zwei Ideen verwirklicht.
Die Geschichte von Asylsuchenden wurde in Interviewform nacherzählt und dabei aufgenommen.
Als zweite Idee wurde die Geschichte in der Form eines „Stopp-Motion-Movie“ inszeniert. Die Erarbeitung eines solchen Filmes dauerte ebenfalls deutlich länger als geplant.
Dafür lernten die Teilnehmenden den Umgang mit der Kamera und auch den Gebrauch von Videoschnittsoftware am Computer. Dies sorgte für viel Spaß und Freude bei allen Teilnehmer*innen, lernten Sie doch den Umgang mit moderner Technik.
Die entstandenen Ergebnisse wurden auf DVD gebrannt. Gemeinsam mit den Akteuren zeigten wir unsere Projektergebnisse in verschiedenen Locations des Landkreises Bautzen und Görlitz (Ostsachsen).
Bei den Vorführungen, die teilweise aufgrund von Bedrohungsszenarien
– die Bundespolizei wollte im Vorfeld wissen, wann und wo wir die Ergebnisse vorstellen, auch die regionale Neonaziszene „interessierte“ sich für die Akteure und die Aufführungsstätten –
nur halböffentlich beworben werden konnten, standen im Anschluss Projektteilnehmende für Fragen und Diskussionen zur Verfügung.

Einschätzung: Trotz der Schwierigkeiten sind die Projektteilnehmenden aufgrund der Resonanz bei den Aufführungen zufrieden. Es konnten dadurch neue Kontakte genknüpft werden, die in der Zukunft hilfreich sein könnten. So konnten zwei Akteuren über diesen Weg eine Arbeitsstelle in Ostsachsen organisiert werden.
Welche Reaktionen gab es aus dem Umfeld?
Durch das halböffentliche Organisieren und Umsetzung des Projektes war die Reaktion der Öffentlichkeit kaum vorhanden. Anders hingegen bei Freunden des Projektes, bei den Aufführungsstätten und bei den Willkommensnetzwerken in den Landkreisen Bautzen und Görlitz. Dort wurde die Idee des Projektes wie auch die Umsetzung durchweg positiv aufgenommen.
Wie geht die Arbeit weiter?
Nach Abschluss des Projektes bringen sich einige Teilnehmende in neuen Projekten ein.

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